Vertiefung
Symploce verbindet Anapher und Epipher, indem aufeinanderfolgende Einheiten sowohl mit demselben Ausdruck beginnen als auch mit demselben Ausdruck enden. Zwischen diesen festen Rändern kann das mittlere Material variieren. Die Figur schafft dadurch einen sprachlichen Rahmen, der Unterschiede einschließt und zugleich auf gemeinsame Ausgangs- und Zielpunkte verpflichtet. Sie eignet sich für Kontrast, Steigerung und kollektive Wiederholbarkeit, kann aber auch den Eindruck erwecken, vielfältige Fälle seien stärker gleichgeordnet, als sie sachlich sind. Symploce macht eine doppelte Bindung des Denkens sichtbar: Jede Aussage öffnet sich aus derselben Formel und kehrt in dieselbe Formel zurück, während ihre Besonderheit im Zwischenraum hervortritt.
Denkbewegung
1. Mehrere aufeinanderfolgende Einheiten stehen zunächst als mögliche parallele Aussagen bereit. 2. Jede beginnt mit demselben hervorgehobenen Ausdruck und erhält dadurch einen gemeinsamen Ausgangspunkt. 3. Verschiedenes Mittelmaterial entfaltet einzelne Fälle, Gründe oder Spannungen innerhalb des Rahmens. 4. Das identische Ende führt alle Einheiten zu einem gemeinsamen Ziel, das die Gegenprobe auf sachliche Tragfähigkeit prüft. 5. Die Reihe kehrt als doppelt gerahmte Denkbewegung zurück, in der Gleichheit und Differenz zugleich hörbar bleiben.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Rhetorische und prosodische Analyse kann Grenzpositionen, Parallelität und Variation des Mittelfelds annotieren. Rezeptionsstudien prüfen Erinnerbarkeit, Nachdruck und wahrgenommene Gleichordnung der Fälle.
Beispiel
»Wenn wir fragen, öffnen wir Wege; wenn wir zweifeln, prüfen wir Wege; wenn wir antworten, verändern wir Wege.« Anfang und Ende bilden einen festen Rahmen für drei Bewegungen.
Gegenbeispiel
Gleiche Satzanfänge allein bilden eine Anapher, gleiche Satzenden allein eine Epipher. Symploce verlangt beide Positionsbindungen in korrespondierenden Einheiten und nicht bloß wiederkehrende Wörter an beliebigen Stellen.
Abgrenzung
Von Anapher, Epipher, Epanalepse, Refrain und Parallelismus unterscheiden. Symploce kombiniert gleiche Anfänge und gleiche Enden über mehrere korrespondierende Einheiten hinweg.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Symploce erzeugt starke formale Geschlossenheit, verbindet unterschiedliche Aussagen und kann durch doppelte Wiederkehr Nachdruck, Rhythmus und Gemeinsamkeit steigern.
Resonanz
Jede Satzbewegung tritt durch dasselbe Tor ein und verlässt den Raum am selben Ausgang; dazwischen schwingen ihre Unterschiede umso deutlicher.
Etymologie
griechisch/lateinische Rhetoriktradition · Formgeschichte im Quellenpass
Provenienz
Harjung-Kontrollbestand → Dublettenabgleich → Resonanzkompass → unabhängige Neufassung → Wiederholungsfiguren → ATLAS_152 → WordNet-Gate 284: Legacy-ID und Benennungsvariante transaktional zusammengeführt
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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Symploce“. Atlas der Sprache, AT-HAR7-0008. ATLAS 260, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-HAR7-0008Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.
Historischer Hintergrund
Peacham beschreibt Symploce 1593 als Verbindung wiederholter Anfänge und wiederholter Enden in mehreren folgenden Satzgliedern oder Klauseln. Die Figur umfasst damit die beiden zuvor behandelten Randwiederholungen in einem Muster. Seine Beispiele zeigen sowohl strikte Rahmung als auch Zunahme von Wörtern innerhalb wiederkehrender Grenzen. Als Wirkung nennt er Eignung für verschiedene Affekte und klangliche Annehmlichkeit; zugleich warnt er, dass zu viele Glieder die Form in sichtbare Künstlichkeit verkehren. Historisch entsteht die Einheit also durch wiedererkennbare Ränder, ohne dass die eingeschlossenen Aussagen deshalb gleichbedeutend oder logisch gleichwertig wären.
Was die Begriffsgeschichte für die Analyse verändert
Für Symploce sind die identischen oder hinreichend parallelen Anfangs- und Endelemente jeder Einheit auszuweisen. Erst ihr gemeinsames Auftreten unterscheidet sie von einfacher Anapher oder Epipher; der Rahmen darf nicht als Beweis für inhaltliche Gleichheit gelten.
Nachweise zum historischen Abschnitt
- Henry Peacham, The Garden of Eloquence (1593), Perseus transcription · Schemates Rhetorical: Symploce, including use and caution where present
The relevant transcription was read; it has not been collated against a 1593 page image. This dates a documented witness, not the first coinage. Historical moral, social and religious judgements are attributed to Peacham, not adopted as current knowledge.