ATLAS DER SPRACHE

AT-172-0018 · ATLAS 260

Epibole

Epibole bezeichnet in Bullingers historischer Systematik die Wiederholung einer Phrase an nicht notwendig regelmäßig wiederkehrenden Textstellen.

Teil des Themenwegs Rhetorik und Stilistik

Warum dieser Begriff im Atlas?

F · Figur / Verfahren R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Epibole zeigt, wie eine wiederkehrende Phrase über größere Textabstände hinweg Orientierung und Nachdruck stiftet. Der Vergleich mit regelmäßiger Anfangswiederholung macht unterschiedliche Ordnungen von Wiederholung erkennbar.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein sprachliches Stück kehrt über einen größeren Zusammenhang verteilt wieder. Seine Wiederaufnahme kann verschiedene Argumentationsabschnitte miteinander verknüpfen. Bullingers Trennung von Wort- und Phrasenwiederholung gehört zu seiner historischen Systematik; moderne Anapherdefinitionen können ebenfalls mehrgliedrige Ausdrücke umfassen. Deshalb wird Epibole nicht allein durch „mehr als ein Wort“ universell von der Anapher getrennt.

Denkbewegung

1. Die wiederkehrende Phrase markieren. 2. Ihre Abstände und jeweiligen Kontexte vergleichen. 3. Verteilte Wiederkehr von regelmäßiger Anfangswiederholung unterscheiden, ohne eine universelle Taxonomie zu behaupten.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Textanalyse erfasst Abstände, Positionen und Veränderungen einer wiederkehrenden Phrase und vergleicht verteilte Wiederkehr mit regelmäßiger Anfangswiederholung.

Beispiel

Eigenes Beispiel: „Noch ist die Frage offen.“ kehrt nach verschiedenen Abschnitten einer Untersuchung wieder, jeweils verbunden mit einer anderen vorläufigen Antwort.

Gegenbeispiel

Drei Absätze behandeln dasselbe Thema mit vollständig anderem Wortlaut. Thematische Kontinuität oder Gedankenähnlichkeit allein ist keine Epibole als sprachliche Wiederholungsfigur.

Abgrenzung

Die regelmäßige Wiederholung am Anfang aufeinanderfolgender Einheiten ist ein Vergleichsfall der Anapher. Epibole in dieser Tradition kann über größere und unregelmäßige Abstände verteilt sein.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die präzisierte Unterscheidung macht nachvollziehbar, was am konkreten Beispiel geprüft wird und wo die Erklärung ihre Grenze erreicht.

Resonanz

Der Vergleich mit einem benachbarten Begriff verändert die Rückkehr zum Ausgangsbeispiel, ohne die beiden Begriffe gleichzusetzen.

Provenienz

Redaktionelle Präzisierung vom 15.10.2026, Pakete D01–D11; ursprünglicher kanonischer Nachweisbestand separat erhalten.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Epibole“. Atlas der Sprache, AT-172-0018. ATLAS 260, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-172-0018

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-172-0018

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.

Quellengebundene historische Einordnung · redaktionell präzisiert

Bullingers Epibole-Artikel (1898, S. 346–347) beschreibt überlagerte Phrasenwiederholung. Die historische Einteilung wird als solche erläutert und nicht zu einer für alle Anapherdefinitionen verbindlichen Grenze erklärt.

Stand dieser Präzisierung

Am 15.10.2026 redaktionell angenommen. Die im Profil genannten Quellen und Begrenzungen tragen diese Lesart. Eine ältere abweichende Profilfassung wird hier nicht zusätzlich als aktuelle Erklärung angezeigt; der ursprüngliche Nachweisbestand bleibt unverändert archiviert. Dies ist keine neue Erstbeleg- oder Vollverifikationsbehauptung.