ATLAS DER SPRACHE

AT-134-011 · ATLAS 260

Split-Ergativität

System, in dem ergativische und akkusativische Ausrichtung abhängig von Person, Tempus, Aspekt oder Satztyp wechseln.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Split-Ergativität zeigt, dass Argumentausrichtung innerhalb einer Sprache nach systematischen Bedingungen wechseln kann. Die Trennung von Kasus, Kongruenz und syntaktischem Verhalten verhindert eine pauschale Zuordnung der ganzen Sprache.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Split-Ergativität bezeichnet ein grammatisches System, in dem ergativ-absolutive und nominativ-akkusative Ausrichtung unter verschiedenen Bedingungen nebeneinander auftreten. Der Wechsel kann von Person oder Belebtheit, Tempus und Aspekt, Satztyp, Verbklasse oder Haupt- und Nebensatz abhängen. »Split« bedeutet nicht, dass zwei vollständige Grammatiken zufällig gemischt sind. Vielmehr legt die jeweilige Sprache systematische Domänen fest, in denen das einzige Argument eines intransitiven Verbs entweder wie das Agens oder wie das Patiens eines transitiven Verbs behandelt wird. Kasusmarkierung, Kongruenz und syntaktisches Verhalten können dabei selbst unterschiedliche Ausrichtungen zeigen. Eine einzelne ungewöhnliche Kasusform reicht daher nicht für die Diagnose. Die Denkbewegung folgt denselben Teilnehmerrollen durch wechselnde grammatische Kontexte und macht sichtbar, dass Ausrichtung keine unveränderliche Eigenschaft einer ganzen Sprache sein muss.

Denkbewegung

1. Intransitive und transitive Klauseln stellen zunächst drei Vergleichsrollen bereit: einziges Argument, transitives Agens und transitives Patiens. 2. In einem grammatischen Bereich wird das einzige Argument mit dem Patiens ausgerichtet, in einem anderen mit dem Agens. 3. Person, Aspekt, Tempus, Verbklasse oder Satzstatus bestimmt systematisch, an welcher Stelle die Ausrichtung wechselt. 4. Die Gegenprobe prüft Kasus, Kongruenz und Syntax getrennt und unterscheidet Split-Ergativität von optionaler Markierung und lexikalischer Ausnahme. 5. Die Sprache kehrt als mehrdimensionale Ordnung zurück: Teilnehmerbeziehungen werden je nach Kontext aus verschiedenen Perspektiven grammatisch gebündelt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Sprachtypologie, Morphosyntax und Feldlinguistik erheben vollständige Paradigmen über Person, TAM, Satztyp und Verbklasse. Getrennte Tests für Kasus, Kongruenz und syntaktische Pivot-Eigenschaften verhindern Scheinklassifikation.

Beispiel

Eine Sprache markiert abgeschlossene vergangene transitive Ereignisse ergativ, verwendet in nicht abgeschlossenen Gegenwartsformen aber nominativ-akkusative Kongruenz; der Aspekt steuert die Ausrichtung.

Gegenbeispiel

Ein einzelnes Verb verlangt aus historischen Gründen eine abweichende Kasusform, während alle übrigen Verben demselben Akkusativmuster folgen. Eine isolierte Ausnahme bildet noch kein systematisches ergatives Split.

Abgrenzung

Von Ergativität, Akkusativität, Aktiv-Stativ-System, Differential Object Marking, optionaler Ergativmarkierung, lexikalischer Ausnahme und syntaktischem Pivot unterscheiden; Splitbedingung und betroffene Subsysteme angeben.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Split-Ergativität zeigt flexible grammatische Perspektivierung von Ereignisteilnehmern und fordert globale Sprachtypen heraus; vereinfachte Etiketten können mehrere unabhängige Systeme fälschlich zusammenziehen.

Resonanz

Dieselben Teilnehmer treten durch verschiedene grammatische Schwellen; je nach Aspekt oder Person verbindet die Sprache das einzige Argument mit einer anderen Seite des Ereignisses.

Etymologie

Baskisch; fachsprachliche Bezeichnung und Sprachpass getrennt prüfen

Provenienz

Syntax/Grammatik → Gespaltene Ausrichtung → Quellenabgleich → ATLAS_134

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Split-Ergativität“. Atlas der Sprache, AT-134-011. ATLAS 260, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-134-011

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-134-011

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Historischer Hintergrund

Siewierskas WALS-Kapitel dokumentiert den Wechsel ergativischer und akkusativischer Personenmarkierung nach Aspekt und Satztyp am Itzaj. Das ist ein konkreter vergleichender Gebrauch des Split-Konzepts, kein Beleg seines Ursprungs oder seiner deutschen Übernahme.

Was die Begriffsgeschichte für die Analyse verändert

Beide Muster sowie die Bedingung ihres Wechsels nachweisen. Eine seltene Ausnahme bildet noch kein beschriebenes Split-System.

Nachweise zum historischen Abschnitt

Historische Quellenbezüge und Atlas-Anwendungen bleiben getrennt; die Übernahme ist keine neue Erstbeleg- oder Vollverifikationsbehauptung.